Zwei Leute, die ihr eigenes Leben aufgeben würden, damit ich überlebe!

Tach community,

heute erzähle ich euch etwas über meine Vergangenheit.
Ich bin nun 18 Jahre alt und gehe langsam in das selbstständige Leben (obwohl es bei uns Ausländern so etwas wie ,,sei 18 und du bist ,,frei“ nicht gibt, aber naja egal).
Als Kind hatte ich nie den Gedanken jemals in ein tiefes Loch zu fallen und nicht mehr aufsteigen zu können. Meine Kindheit war recht bunt, lustig und schön (dachte ich jedenfalls).
Meine Familie, also , mein Vater, meine Mutter, mein Bruder und ich waren eigentlich eine recht coole Familie, hatten immer Besuch und ich war die kleine Prinzessin, die 10 1/2 Jahre nach ihrem Bruder geboren wurde (man nennt mich nicht umsonst Wunderkind, doch dazu gleich mehr).
Meine Mutter war schon immer meine Heldin, mein Bruder mein Vorbild und mein Vater mein ,,Held“. Warum war ich so blind und sah diesen Teufel in ihm nicht?
Mein Vater behandelte mich wortwörtlich wie eine Prinzessin. Vielleicht lag es einfach daran, dass er immer eine Tochter haben wollte oder einfach daran, dass meine Mutter nach meinem Bruder eigentlich keine Kinder mehr kriegen konnte und sie aber trotzdem mit mir schwanger wurde? haha, ich sage doch ,,Wunderkind“.
Mein Vater brachte mir alles bei.. Ein Erlebnis werde ich niemals vergessen, welches mich heute noch bereichert. Kennt ihr diese Stützräder am Fahrrad für kleine Kinder? Ich hatte so welche damals zum 4. Geburtstag bekommen. Mein Vater und ich sind raus und er hat mich auf das Fahrrad gesetzt und ließ mich ca. eine halbe Stunde mit diesen Stützrädern am Fahrrad fahren, bis er mich zu sich rief und diese Stützräder abschraubte. Ich fragte ihn warum er das tat und weinte herum, dass ich ja hinfallen würde und es weh tun wird. Das einzige was er damals sagte ist, dass ich natürlich hinfliegen werde und sogar hinfallen soll, damit ich lerne wieder aufzustehen.
Ich, natürlich voller Angst, stieg auf dieses Fahrrad und fuhr um die Wette. Also, ich dachte ich sei so um die Wette gefahren und wäre locker so um die 2 km gefahren. Die Wahrheit war aber, dass ich langsamer war als eine Schildkröte und vielleicht 2 Meter gefahren und dermaßen hingefallen bin. Natürlich, ich war vier und konnte kein Fahrrad fahren, hehe. Ich weinte und weinte. Mein Vater kam ganz ,,chillig“ zu mir und meinte ,,was weinst du denn? Denkst du, dass du niemals hinfallen wirst, wenn du älter bist? Du wirst hinfallen und jedes Mal wieder aufstehen. Also, stell dich nicht so an.“ Ja, harte Worte, jedoch stimmen sie, oder?
Kommen wir zur eigentlichen Geschichte.
Zu dem Thema, dass mein Vater mich immer wie eine Prinzessin behandelte. Er tat es wirklich. Er kam von der Nachtschicht und sah, dass seine kleine Tochter auf ihn wartete und mit ihm gemeinsam einschlafen wollte. Er aß schnell sein Essen oder manchmal auch nicht, nur damit er seine Tochter friedlich schlafen sieht. Ich als seine Tochter sah, einen Helden, einen kaputten Helden, der für seine Familie sich ins Feuer schmeißen würde. Doch, ich hatte mich geirrt. Der Vater, der Abends nach Hause kam, schnell sein Essen aß und dafür sorgte, dass seine Tochter in Ruhe neben ihm schlafen kann, war in Wirklichkeit ein Teufel zu seiner Ehefrau und zu seinem Sohn.
An einem Abend, kam mein Vater spät Abends nach Hause. Ich saß mit meiner Mutter im Wohnzimmer und nörgelte rum, dass ich nicht schlafen wollen würde.
Als mein Vater die Haustür aufschloss, rief ich ,,Babaaaaaaaaaa“ und rannte zu ihm und umarmte ihn. Ich merkte, dass etwas komisch ist. Mein Vater roch nicht nach meinem Vater, er roch nicht nach Geborgenheit und Sicherheit. Er roch nach Alkohol. Anscheinend war es nicht das erste Mal, doch für mich schon. Er schrie meine Mutter an, warum ich denn nicht schlafen würde und was für eine Ehefrau und Mutter sie sei. Er ging auf sie zu und packte sie an den Haaren. Ich als kleines Kind, verstehe natürlich nicht was da abgeht und mein Bruder war zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause. Ich rannte auf meinen Vater zu und sprang auf ihn rauf und sagte, dass er meine Mutter in Ruhe lassen soll. Wisst ihr was er tat? Wisst ihr was mein ,,Held“ tat? Er packte mich und warf mich gegen die Wand. Das Helden-Bild was ich von meinem Vater hatte, war zerstört. An diesem Abend, merkte ich was er für ein Mensch war. Er zerstörte alles in der Wohnung, er schlug meine Mutter, doch mich fasste er nicht mehr an. Einige Stunden später kam mein Bruder nach Hause und sah natürlich das Chaos. Er rief die Polizei und mein Vater bekam so etwas wie ein Platzverbot. Ein 16 jähriger Junge, welcher sein Vater aus dem Haus geschmissen hat. Ich erfuhr als kleines Kind, dass er so gut wie immer meine Mutter und meinen Bruder schlug. Nach diesen Tagen ging alles viel zu schnell… Meine Mutter und ich waren im Frauenhaus, mein Bruder bei Bekannten und mein Vater irgendwo im Nirgendwo. Ich war 5 Jahre alt und durfte kennen lernen, was es ist, in einem Frauenhaus zu sein. Meine Mutter zeigte meinen Vater an, reichte die Scheidungspapiere ein und mein Bruder, meine Mutter und ich zogen um. Komplett auf uns allein gestellt. Nur mein Onkel (väterlicher Seits) war immer für uns da. Er richtete unsere Wohnung ein, sorgte dafür, dass seine Nichte einen guten Schulstart hat und sorgte dafür, dass sein Neffe nicht abstürzt.
Das Scheidungsjahr (nachdem man die Scheidung einreicht, begibt man sich in ein Scheidungsjahr, welches die Chance gibt, sich wirklich darüber bewusst zu werden was man tut und ob man das wirklich will) meiner Eltern lief nicht wie geplant.
Ich war am Wochenende immer bei meinem Vater (was ich selber nicht wollte, aber meine Mutter es so wollte). Mein Bruder sprach nicht einmal seinen Namen aus. An einem Abend, saß ich mit meinem Vater zusammen und wir schauten Fern. Ich merkte, dass seine Stimme immer komischer wurde und sein Husten immer extremer. Am nächsten Tag erzählte ich meiner Mutter das im Auto und sie zwang meinen Vater zum Arzt zu gehen. Ja, mein Vater hatte Lungenkrebs. Jedoch hatte sich der Krebs im ganzen Körper verstreut.
Der Arzt gab ihm 18 Monate zum Leben, mehr nicht. 18 Monate indem sich ein kleines 7 jähriges Kind bewusst werden muss, dass sein Vater sterben wird und du nichts dagegen tun kannst.
Meine Mutter, welche von meinem Vater misshandelt wurde, nahm ihn wieder bei uns Zuhause auf und sorgte sich um ihn. Ich bitte euch, wer macht das schon?
Dezember 2008 starb mein Vater. An diesem Tag merkte ich, was Karma ist.
Ich war 8 Jahre alt und merkte, dass etwas in mir verloren gegangen ist.
Ich war nicht mehr ich selbst. Meine schöne Kindheit war zerbrochen, mein Vater war tot und meine Mutter hatte Narben (sei es psychisch oder physisch). Wer kann hier denn noch glücklich sein?
Kommen wir zu meiner Pubertät.
Ich muss hier anmerken, ich kam recht früh in die Pubertät (ich war 10).
Durch die ganzen Erlebnisse und die Traumata, lief meine Pubertät schlimmer als gedacht. Ich brachte meine Mutter zum Wahnsinn. Jeden Tag Streit, jeden Tag weinen und jeden Tag fiel ich immer mehr ins schwarze Loch.
Sei es in der Schule oder am Nachmittag. Ich baute so viel Mist, ihr glaubt das nicht. Ich behandelte meine Mutter so, als sei sie meine Dienerin und beleidigte sie immer. Also, ich behandelte sie wortwörtlich SCHEIßE. Kommen wir zu meinem Bruder.
Er war nicht besser dran. Ich wurd‘ so respektlos ihm gegenüber und schrie ihn immer an, dass er kein richtiger Bruder sei, obwohl er sich den Hintern für mich aufriss, damit was aus mir wird.
Mittlerweile bin ich ,,eigentlich“ aus der Pubertät raus, denke ich mal (obwohl ich manchmal dumme Fehler mache).
Ich merkte nach einer Zeit immer mehr, wie ich meine Mutter und meinen Bruder behandelte und versuchte mich zu ändern. Ich wusste es nach einer Zeit wert zu schätzen, was die beiden eigentlich für mich taten.
Ich erfuhr von meiner Mutter, dass mein Bruder jedes Mal, als er auf mich aufpassen sollte, seinen Freunden extra abgesagte und lieber auf mich aufgepasste, damit meine Mutter arbeiten gehen
oder einfach mal Abends mit ihren Freundinnen sich einen schönen Abend machen kann.
Er jobbte nebenbei um mir meine Spielzeuge zu kaufen und mich wenigstens etwas glücklich zu machen.
Ich erfuhr, dass meine Mutter immer mehr arbeitete, damit sie sich meine Klassenfahrten und Bücher leisten konnte. Sie arbeitete mehr, damit sie ihre Kinder mal in ein Restaurant bringen konnte.
Ich bin nun 18 Jahre alt und merke immer mehr, dass mein zukünftiges Leben (Studium, Arbeit, Familie etc.) auf mich zu kommt und die Zeit so schnell rast und ich die letzten Jahre, diese Zeit nicht zu schätzen wusste. Am meisten wusste ich in dieser Zeit meine FAMILIE nicht wert zu schätzen.
Ich merke, dass sich meine Mutter und mein Bruder den Hintern aufgerissen haben, damit ich nicht in ein Loch falle. Sie wollten mir das Beste bieten … Jedoch behandelte ich die beiden nur wie Dreck.
Ich schob es auf die Traumata, die ich damals hatte…
Jedoch war das falsch. Ich durfte es nicht auf die Erlebnisse schieben, denn meine Familie sorgte dafür, dass ich diese Erlebnisse besser überstehe. Ich schiebte mich selber in dieses Loch und wollte da nicht raus, als meine Familie mir die Hand bot.

Leute, eine sehr lange Geschichte, ich weiß, aber das was ich euch sagen möchte…
Verdammt nochmal, seht was eure Eltern für euch machen, seht wie sie sich den Hintern für euch aufreißen, damit ihr ein besseres Leben habt.
Behandelt sie nicht wie Dreck, auch wenn ihr eine schlechte Zeit habt oder in der Pubertät steckt.
Habt ihr Probleme, redet mit ihnen.
Eure Familie steht immer hinter euch.
Meine Mutter ist meine Heldin und mein Bruder mein Held. Auf einer Seite die Frau, die mich auf die Welt gebracht hat und mein Vorbild ist und auf der anderen Seite der Mann, der mein Beschützer, mein Held und meine bessere Hälfte ist.
2 Leute, die ihr eigenes Leben aufgeben würden, damit ich überlebe!

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