Wenn die negativen Gefühle die Luft zum Atmen nehmen

Hallo liebe Leser,
es ist mitten in der Nacht und ich entschließe mich nach langem überlegen, wie viele hier auch auf true-stowie mein Herz zu erleichtern. Vorab warne ich dass es vielleicht ein bisschen verwirrend sein könnte, denn genauso ist meine Lebenslage die schon zu lange andauert verwirrend, verzweifelt und bedrückend.
Nun stell ich eine Frage an euch: wie soll man mit jemanden über die Last die man trägt sprechen, wenn man garnicht weis was einem fehlt und die negativen Gefühle einfach auf dich hinab fallen?

Als erstes muss man wissen dass ich eine schon sehr geschlossene Person war und auch bin, da ich in der Vergangenheit enttäuschende und verletzende Erfahrungen gemacht habe sei es Freunde oder die Liebe. Ich bin eine sehr Loyale Person und habe es immer von meinem gegenüber genauso erwartet was jedoch oft nicht erfüllt wurde. Ich habe eben viele Werte und Prinzipien auf die ich in einer zwischenmenschlichen Beziehung achte. Nach all den Jahren voller falscher Freunde neben mir, bin ich sehr abgehärtet und habe eine starke Mauer um mich gebaut. Mein Herz ist sehr kalt und hart geworden, was keiner von meinem Umfeld damals gemerkt hat weil ich nie über meine Gefühle gesprochen habe. Einfach aus dem Grund weil ich denke, dass alles was du von dir preis gibst gegen dich verwendet werden kann was mir früher oft genug passiert ist. Nun, kam aber vor 2 Jahren ein Junge in meinem Leben von dem ich niemals gedacht hätte, dass wir uns so gut verstehen würden. Am Anfang haben wir zusammen gearbeitet, ich kannte ihn von seinem Freund, meinem Kumpel der damals noch in meine Klasse ging. Der Junge und ich haben uns immer zum Spaß aufgezogen, gestichelt und beleidigt was ich aber nie ernst gemeint hatte da es mir egal war was andere denken. Ich dachte sowieso dass er mich nicht mag weil ich mich sonst mit den anderen in der Arbeit und seinen gesamten Freunden gut verstand und guten Kontakt pflegte. Nach einer Zeit kamen Momente wo wir uns ‚ertragen‘ mussten da er wegen meinem Chef mich zur Arbeit mit nehmen musste da er ein Auto hatte und ich nicht (nebenbei: er wohnt in der Nähe von mir). So ging es dann einige Monate weiter. Irgendwann kam der Zeitpunkt wo wir anfingen kurz zu schreiben. Erst war es meistens wegen der Arbeit. Dann stichelten wir uns im Chat weiter, und Schluss endlich schrieben wir immer öfter auch allgemeine Sachen. Wir schrieben Monate lang, was immer Oberflächlich blieb da ich sowieso keinen Kontakt zu Jungs hatte bzw es immer nur oberflächlich blieb. Irgendwann hatte er gekündigt doch unser Kontakt blieb trotzdem. Nach ungefähr 8 Monaten, Tage und Nächte langem schreiben frage er mich um 4 Uhr nachts (wir schrieben bis zum Morgen) warum ich so verschlossen und kalt bin, warum ich Menschen nicht an mich heran lasse und dass er sonst jeden Menschen nach einer Zeit durchschauen würde, mich jedoch nicht. Klischee dass man Nachts über philosophiert und nachts meistens die deepen Gespräche stattfinden haha? Es war für mich wie ein Schlag ins Gesicht. Er war der erste Junge geschweige denn die erste Person in meinem Umfeld der gemerkt hat wie ich wirklich bin und meine Fassade durchschaut hat. Nicht mal meine Freunde hatten eine Ahnung davon. Meine Hülle hatte einen Riss dadurch dass sie enthüllt wurde und ich wusste erstmal nichts zu sagen. Ihr könnt es euch so vorstellen, dass wir 5 Minuten auf unseren Chat waren und keiner was schrieb. Ich, vor Schock was er von sich gab und wie es sein konnte dass gerade er sowas zu mir sagt und er, wahrscheinlich aus Neugier auf meine Antwort wartend. Ich wäre nicht ich wenn ich nicht alles abstreiten würde, also tat ich das. Nacht für Nacht philosophierten wir und redeten über Gott und die Welt. Er erzählte mir, dass er das bei mir nur bemerkte weil er genauso war/ist. Er sei dadurch ein rationaler Mensch geworden und das hasste er an sich selber. Er sagte mir, dass er nicht wollte dass Menschen wie er wäre denn es sei schlimm damit zu leben. Durch ihn hab ich angefangen mich mehr mir mir selber zu beschäftigen. Einerseits, überlegte ich immer neue Ausreden dafür dass es nicht stimmte dass ich mich anderen Menschen gegenüber nicht öffnete und weichte seine Fragen aus um meine Maske aufrecht zu erhalten und mir immer mehr Zeit zu schaffen. Anderseits, merkte ich dadurch dass er mein Vertrauen gewinnen wollte, dass er genauso eine Maske trägt und gebrochen ist genau wie ich. Jedenfalls, die Zeit verging irgendwann brachte er mir Abends Eis oder ich backte was und wir trafen uns damit ich es ihm gab und wir redeten stundenlang bis in die Nacht vor meinem Haus. Man könnte meinen dass es sich zu einer Freundschaft entwickelt hat. Jedoch war es ganz komisches. Jeder, der wusste dass wir Kontakt hatten (es wussten warum auch immer nicht jeder) sagte zumindest von meiner Seite dass es zwischen uns keine normale Freundschaft ist und es mit einem Wort einfach zu beschreiben komisch ist. Wir redeten nachts oft über Liebe, er meinte dass er sich nicht verlieben kann aufgrund der Vergangenheit und ich verstand es irgendwie. Wir hatten sehr guten Kontakt und ich fühlte mich bei ihm verstanden trotz dass er kaum was über meine inneren Gefühle oder die Vergangenheit wusste, fühlte ich mich akzeptiert. Irgendwann fingen wir an über andere Mädels und andere Jungs zu reden die er oder ich gut fand. Eins führte zu dem anderen und 3 Monate später hatte er eine Freundin. So wie ich ihn in der Zeit kennengelernt habe, wusste ich dass da irgendwas nicht stimmt. Mir kam es nicht so vor als ob er sie aufrichtig lieben würde, das bestätigte er mir auch vor kurzem. Er und sie haben sich in der Zeit einsam gefühlt, und eins führte zu dem anderen sagte er. Trotz dass ich es früher nicht wusste weshalb sie wirklich zusammen waren und obwohl er der einzige Mensch ist der mir nur durch seine Anwesenheit geholfen hat meine innere Unruhe zu bändigen, habe ich zu dem Zeitpunkt beschlossen den Kontakt zu reduzieren denn wie ich schon sagte, er hatte eine Freundin und es ist nicht meine Art mit jemanden Kontakt zu haben wenn der vergeben ist denn das würde ich in meiner Beziehung auch nicht wollen. Bis heute schreiben wir 1 mal im Monat wie es dem anderen geht und sowas aber es bleibt wieder wie am Anfang oberflächlich. Was wirklich komisch ist, ist dass er sich immer genau in den Momenten sich meldete als es mir verdammt schlecht ging oder als ich sehr oft aus welchem Grund auch immer an ihn denken musste. Ich fand es verrückt dass genau in den Momenten eine Nachricht von ihm kam. Nun, wenn ich es mit meiner jetzigen Lebenslage vergleiche, weis ich nicht ob ich Gott danken soll dass er in meinem Leben aufgetaucht ist und mich praktisch durchschaut hat oder nicht. Einen gewissen Platz hat er bei mir trotzdem, da er der erste war der Interesse an meiner Fassade gezeigt hat. Seit dem Kontakt Abbruch habe ich das akzeptiert und mir ging es auch dabei gut, ich wusste dass ich meine Gefühle wieder da lassen kann wo sie waren, nämlich ganz tief und weit weg versteckt wo ich an sie nicht mehr denken muss. Seit einem halben Jahr sind sie aber wieder an die Oberfläche gekommen und ich kann es nicht stoppen. Sie strömen auf mich ein, nehmen mir jeden Spaß, meine Konzentration, meinen Willen und alles was ich war. Und jetzt nochmal: wie willst du erklären wie es dir geht, wenn die Leere in dir die überhand nimmt? Ich bin mir sicher, dass ich hier das auch nicht zum Ausdruck bringen kann jedoch weis ich jetzt was er gemeint hat, als er sagte dass es schlimm sei es zu fühlen. Ich sehe die Welt mit anderen Augen als früher. Ich fühle mich nirgends wohl und so eingeengt als würde mein Leben ein leerer Raum sein und die Wände sich immer mehr nähern. Ich fühle mich als würde ich die ganze Welt auf den Schultern tragen und es zu verdrängen geht nicht mehr. In der Vergangenheit hätte ich sehr gerne alles verdrängt und weiter die tapfere gespielt aber nun geht das nicht mehr. Ich fühle mich als würde ich alleine gegen die Gesellschaft kämpfen die mir vorschreibt wie ich zu leben habe, früher wollte ich mein Abi, machen Studieren usw. und jetzt stehe ich kurz vor meinem Abiturjahrgang wo jeder ein Plan für die Zukunft hat und ich? Ich habe dass Gefühl dass ich meine jetzigen wünsche die ich habe, die mir wenigstens etwas Freude geben könnten nicht verwirklichen kann weil es entweder an den Leuten um mich herum liegt oder an meinem Leben selbst. Ich fühle mich einfach nicht frei, ich kann nicht dass machen was ich möchte und was mir Freude beteitet. Die ganze Situation macht mich so irre und setzt mich dermaßen unter Druck dass es sich auch meine Familie überträgt. Ich stoße einfach alle Menschen von mich weg, ohne es wirklich zu wollen. Ich weine, ohne zu wissen warum und fühle mich als ob ich in einem schlechten Film bin. Zudem kommen noch Albträume die mich öfter plagen. Es geht immer wieder um das selbe, entweder werde ich verfolgt oder sterbe aus irgendwelchen Gründen. Auf meiner Brust legen sich jeden Tag Beton Steine die mir den Atem schnüren und ich sie trotzdem mit mir rum tragen muss. Und deshalb begleitet mich die Frage: Wie stark muss ein Mensch sein, um trotzdem die Kraft haben sein bisheriges Leben zu leben und wäre es anders wenn er immer noch in meinem Leben wäre?

Danke jeden der bis hierhin gelesen hat.

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2 Idee über “Wenn die negativen Gefühle die Luft zum Atmen nehmen

  1. Sabsab sagt:

    Wow...Leider finde ich selber keine Antworten auf deine Fragen, sodass ich dir Hilfe bieten könnte. Ich denke einfach, dass du eine Vertrauensperson brauchst. Ich weiß, dass es schwer ist sich zu öffnen, vorallem weil man sich nicht verstanden fühlt. Aber ich muss mich selber mit solchen Gedankengängen auseinandersetzen, deswegen habe ich eine Alternative gefunden: Ein „Gedankentagebuch". Es hört sich total banal an, aber es hilft. Denn schließlich bist du die einzige, die sich selber verstehen muss. Ich bin mir sicher, dass während du diesen Text geschrieben hast, eine kleine Last von dir gefallen ist. Probier es einfach aus. Ps. Ich finde dein Schreibstil sehr schön, vlt wird es zu deiner Leidenschaft
    Bleibe positiv und versuche deinen Weg zu finden. Lg

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  2. Vlora sagt:

    sabsab hat eigentlich schon viele Punkte genannt. Ich glaube in der Zeit, in der du mit deinem ehemaligen Arbeitskollegen geschrieben hast, ging es dir besser als sonst. Deshalb denke ich, dass du wirklich jemanden brauchst, mit dem du reden kannst. Ich glaube einfach, dass du wegen deiner Vergangenheit einsam geworden bist. du brauchst einen Freund*in und das meine ich ernst. Klar, den/die richtige kennenzulernen braucht lange. Viele sagen auch die wahre Liebe muss man finde, dementsprechend auch eine gute Freundschaft, aber das stimmt nicht...sowas entsteht. Du brauchst jemanden, der dir Sicherheit und Wärme schenkt. Du kannst aber nicht warten, dass jemand so auf dich zukommt. Du muss dich mehr öffnen und auch auf andere zugehen, denn wie willst du das schaffen, wenn die Mauer um dich rumgeht... Auch hier beruht eine Beziehung/Freundschaft auf Gegenseitigkeit

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